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KapitalanlageOktober 20268 Min. Lesezeit

Lohnt sich eine Wohnung als Kapitalanlage bei 4 % Zinsen?

Die Bauzinsen liegen wieder über 4 %. Viele, die mit einer vermieteten Wohnung geliebäugelt haben, warten deshalb lieber ab. In diesem Artikel rechne ich an einem Beispiel durch, ob das sinnvoll ist. Du siehst, was sich seit der Niedrigzinsphase wirklich verändert hat, wohin dein Geld jeden Monat fließt und was nach 10 Jahren daraus geworden ist.

Lewin WarneckeKlinkr

Lieber schauen statt lesen? Hier ist die ganze Rechnung als Video.

Der Satz, den ich gerade oft höre

„Bei 4 % Zinsen lohnt sich eine Wohnung als Kapitalanlage nicht. Da warte ich lieber noch.“

In Gesprächen rund um Wohnungen als Kapitalanlage höre ich diesen Satz in letzter Zeit sehr häufig. Klingt erst mal logisch: Der Kredit ist teurer geworden, also wartet man, bis die Zinsen wieder fallen.

Ob das stimmt, rechne ich hier an einem Beispiel durch. Und am Ende siehst du, was nach 10 Jahren aus dem Geld wird, das du in so eine Wohnung steckst.

Das Beispiel: Max

Max ist angestellt, verdient gut, und auf seinem Konto liegt Geld, das gerade nichts tut. Eigentlich will er schon länger eine Wohnung als Kapitalanlage kaufen. Aber bei den Zinsen wartet er lieber noch.

Ob das sinnvoll ist, schauen wir uns in drei Schritten an: was die Zinsen verändert haben, was sich außer dem Zins noch verändert hat und worauf es bei einer Kapitalanlage wirklich ankommt.

Teil 1Die Zinsen haben sich vervierfacht

2021 hast du für einen Immobilienkredit mit 10 Jahren Zinsbindung rund 1 % Zinsen gezahlt. Das war die Niedrigzinsphase. Heute liegt der Zins wieder über 4 %. In wenigen Jahren hat er sich also vervierfacht.

Bauzinsen damals und heute

10 Jahre Zinsbindung
2021Niedrigzinsphase
Bauzinsrund 1 %
HeuteOktober 2026
Bauzinsüber 4 %
In wenigen Jahren vervierfacht
Capitalo auf Basis von Bundesbank-Daten; Schwäbisch Hall, Stand 27.09.2026.

Für denselben Kredit die doppelte Rate

Was heißt das im Monat? Nehmen wir 100.000 € Kredit mit 2 % Tilgung. 2021 waren das 250 € Rate: 83 € Zins und 167 € Tilgung. Heute sind es 500 €. Der Zinsanteil hat sich vervierfacht, die Tilgung ist gleich geblieben, weil sie nicht vom Zins abhängt. Deshalb verdoppelt sich die Rate insgesamt.

Merk dir die Tilgung, sie wird später noch wichtig. Das ist der Teil, mit dem du deinen Kredit abzahlst und der am Ende dir gehört.

Wir halten fest: Für denselben Kredit zahlst du heute die doppelte Rate. Aber entscheidet der Zins allein, ob sich eine Kapitalanlage lohnt? Dafür schauen wir, was sich außer dem Zins noch verändert hat.

100.000 € Kredit im Monat

2 % Tilgung
20211 % Zins
Rate250 €
davon Zins83 €
Heute4 % Zins
Rate500 €
davon Zins333 €
Die Tilgung bleibt gleich, nur der Zins steigt
Annuitätendarlehen, Rate aus Zins und 2 % anfänglicher Tilgung, gerundet.

Teil 2Die Kaufpreise sind gefallen

Solange die Zinsen niedrig waren, sind die Preise immer weiter gestiegen, bis zum Rekordhoch im Sommer 2022. Viele haben damals gekauft, weil der Kredit so günstig war, und kaum auf den Preis geschaut.

Dann kamen die Zinsen, und 2023 sind die Preise so stark gefallen wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Seitdem tut sich wenig. Im 2. Quartal 2026 lagen die Preise gerade 0,6 % über dem Vorjahr.

Wie sich die Kaufpreise entwickeln

Wohnimmobilien
0,6 %mehr als im Vorjahr, 2. Quartal 2026Nach dem stärksten Rückgang seit 2000 im Jahr 2023
Statistisches Bundesamt, Häuserpreisindex.

Die Mieten steigen weiter

Während die Preise kaum vom Fleck kommen, passiert bei den Mieten das Gegenteil. Neue Mietverträge wurden von Anfang 2025 bis Anfang 2026 im Schnitt 3 % teurer. Als Vermieter ist das genau die Zahl, die für dich arbeitet.

Neue Mietverträge

in einem Jahr
3 %teurer, Anfang 2025 bis Anfang 2026Als Vermieter arbeitet diese Zahl für dich
Stiftung Warentest auf Basis von vdpResearch, August 2026.

Für dieselbe Miete zahlst du heute weniger

Jetzt bringen wir beides zusammen. Für eine Wohnung, die 600 € Miete im Monat bringt, hast du 2020 im Schnitt rund 185.000 € bezahlt. 2025 waren es rund 176.000 €.

Wir halten fest: Der Zins ist gestiegen, die Preise sind gefallen und die Mieten gestiegen. Für dieselbe Miete zahlst du heute weniger, der Kredit ist aber teurer. Was heißt das unterm Strich für Max? Das rechnen wir jetzt durch.

Preis für eine Wohnung mit 600 € Miete

im Schnitt
2020Niedrigzinsphase
Kaufpreis185.000 €
2025Heute
Kaufpreis176.000 €
Für dieselbe Miete zahlst du heute weniger
Postbank Wohnatlas 2021 und 2026 (HWWI), Bestandswohnungen, Durchschnitt aller Kreise, gerundet.

Teil 3Wohin Max' Geld jeden Monat fließt

Max kauft eine Wohnung für 176.000 €, das ist der Durchschnittspreis für eine Wohnung mit 600 € Miete. Den Kaufpreis finanziert er mit Kredit, die Kaufnebenkosten zahlt er aus eigener Tasche. Seine Rate an die Bank liegt bei 878 €: 580 € Zinsen und knapp 300 € Tilgung.

Rein kommen die Miete und die Erstattung vom Finanzamt. Raus gehen die Zinsen, die laufenden Kosten und die Tilgung. Schätz mal kurz, bevor du weiterliest: Wie viel muss Max unterm Strich jeden Monat selbst dazulegen?

Es sind 255 €. Und jetzt das Entscheidende: Dieser Eigenanteil ist kleiner als seine Tilgung. Zinsen und Kosten zahlen Mieter und Finanzamt komplett. Die Tilgung ist kein verlorenes Geld, sie landet in Max' Vermögen. Das ist wie eine Sparrate, nur dass Max nicht auf ein Konto spart, sondern in seine eigene Wohnung.

Wohin Max' Geld jeden Monat fließt

erstes Jahr
  • Miete vom Mieter+600 €
  • Steuererstattung vom Finanzamt+125 €
  • Zinsen an die Bank−580 €
  • Laufende Kosten (Hausgeld, Rücklage, Verwaltung)−102 €
  • Tilgung, landet in Max' Vermögen−298 €
  • Max legt selbst dazu−255 €
176.000 € Kaufpreis, 600 € Miete, 4 % Zins, 2 % Tilgung, 42 % Grenzsteuersatz. Gerundet.

Einwand255 € rein, 298 € Tilgung: lohnt sich das?

Jetzt denkst du vielleicht: Das sind gerade mal 43 € mehr, dafür der ganze Aufwand? Schauen wir genauer hin.

Erstens bleibt Max' Eigenanteil über die Jahre fast gleich, während seine Tilgung jedes Jahr steigt. Er zahlt immer weniger Zinsen, also geht immer mehr von der Rate in die Tilgung. Im zehnten Jahr sind es schon über 420 € im Monat.

Zweitens fehlt in der Rechnung noch etwas: Die Wohnung gewinnt an Wert. Und zwar die ganze Wohnung mit 176.000 €, nicht nur Max' 255 €. Schon bei 2 % im Jahr, also nur der Inflation, sind das rund 290 € im Monat. Im ersten Jahr zahlt Max also 255 € ein, und sein Vermögen wächst um rund 590 €.

Max' erstes Jahr

pro Monat
EinsatzMax legt dazu
Pro Monat255 €
  • Bleibt über die Jahre fast gleich
ErgebnisSein Vermögen wächst
Pro Monatrund 590 €
  • 298 € Tilgung
  • rund 290 € Wertzuwachs der Wohnung
Sein eigenes Geld landet komplett in seinem Vermögen
Wertzuwachs: 2 % pro Jahr auf 176.000 €. Gerundet.

Was nach 10 Jahren aus Max' Geld wird

Jetzt die Frage, um die es eigentlich geht: Rechnet sich das? Eine Annahme brauchen wir dafür: Miete, Wohnungswert und Kosten steigen mit der Inflation, also 2 % pro Jahr. Das ist das Ziel der Europäischen Zentralbank, nicht mehr.

Max hat am Anfang rund 17.600 € Kaufnebenkosten gezahlt. Dazu kommt, was er über die 10 Jahre im Monat dazulegt, zusammen rund 30.600 €. Insgesamt also rund 48.200 €.

Nach 10 Jahren ist die Wohnung rund 214.200 € wert, und er schuldet der Bank noch rund 132.600 €. Bleiben rund 81.600 € Vermögen. Sein Einsatz ist also wieder da, plus rund 33.400 €.

Nach 10 Jahren

2 % Inflation pro Jahr
EinsatzMax setzt ein
Gesamt48.200 €
  • 17.600 € Kaufnebenkosten
  • 30.600 € Zuzahlung über 10 Jahre
ErgebnisMax hat
Vermögen81.600 €
  • Wohnung rund 214.200 €
  • minus Restschuld rund 132.600 €
Einsatz zurück, plus rund 33.400 €
10 Jahre Zinsbindung, ohne Verkauf. Gerundet.

Und das bei 4 % Zinsen

Auf das Geld, das Max selbst reingesteckt hat, sind das etwa 7,6 % pro Jahr. Und das, obwohl er für seinen Kredit 4 % Zinsen zahlt.

Rendite auf Max' eigenes Geld

pro Jahr
7,6 %pro Jahr, bei 4 % Zinsen
Interner Zinsfuß auf Kaufnebenkosten und monatliche Zuzahlungen, 10 Jahre.

Einwand„Ich warte lieber, bis die Zinsen wieder fallen“

Verständlich. Nur weiß niemand, ob und wann das passiert. Und darauf kommt es auch gar nicht an.

Stell dir eine Waage vor. Auf der einen Seite liegt der Kaufpreis. Auf der anderen Seite liegt, was die Wohnung dir bringt und was sie kostet: die Miete, der Zins und der Zustand der Wohnung. Wenn beides im Gleichgewicht ist, hast du einen fairen Preis. Ist die Wohnung zu teuer eingekauft, steckst du für dasselbe Ergebnis deutlich mehr eigenes Geld rein.

Für Max heißt das: Auf fallende Zinsen warten muss er nicht. Er muss eine Wohnung zum fairen Preis finden. Und jeder Monat, den er wartet, ist ein Monat ohne Tilgung in sein eigenes Vermögen.

Passt der Kaufpreis zum Objekt, lohnt es sich, egal wie der Markt steht.

FazitDie Antwort in drei Sätzen

Die Zinsen sind gestiegen, für denselben Kredit zahlst du heute die doppelte Rate.

Die Preise sind gefallen, die Mieten gestiegen. Für dieselbe Miete zahlst du heute weniger.

Kaufst du zu einem fairen Preis, baust du auch bei 4 % Vermögen auf.

Bleibt die Frage: Wo findest du heute Wohnungen zu einem fairen Preis, und welche passt zu deiner Situation?

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Wohnung als Kapitalanlage bei 4 % Zinsen?

Ja, wenn der Kaufpreis zum Objekt passt. Im Beispiel kauft Max eine Wohnung für 176.000 € mit 600 € Miete, voll finanziert zu 4 %. Er legt im Monat rund 255 € selbst dazu und hat nach 10 Jahren rund 81.600 € Vermögen bei rund 48.200 € Einsatz. Das sind etwa 7,6 % pro Jahr auf sein eigenes Geld. Die Annahmen stehen unten unter Quellen und Annahmen.

Warum verdoppelt sich die Rate, wenn sich der Zins vervierfacht?

Die Rate besteht aus Zins und Tilgung. Nur der Zinsanteil hängt vom Zinssatz ab. Bei 100.000 € Kredit und 2 % Tilgung steigt der Zinsanteil von 83 € auf 333 €, die Tilgung bleibt bei 167 €. Insgesamt steigt die Rate deshalb von 250 € auf 500 €.

Sind die Immobilienpreise gefallen?

Ja. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Wohnimmobilien 2023 so stark gefallen wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Seitdem steigen sie nur langsam, im 2. Quartal 2026 um 0,6 % gegenüber dem Vorjahr. Die Mieten für neue Verträge sind im gleichen Zeitraum um rund 3 % gestiegen.

Wie viel muss ich bei einer vermieteten Wohnung im Monat selbst dazulegen?

Das hängt von Kaufpreis, Miete, Zins, Tilgung und deinem Steuersatz ab. Im Beispiel sind es rund 255 € im Monat: Die Miete von 600 € und rund 125 € Steuererstattung decken Zinsen und laufende Kosten komplett, den Rest der Tilgung legt Max selbst dazu.

Ist die Tilgung verlorenes Geld?

Nein. Mit der Tilgung zahlst du deinen Kredit ab, und genau dieser Teil gehört am Ende dir. Im Beispiel ist Max' Eigenanteil sogar kleiner als seine Tilgung. Sein eigenes Geld landet also komplett in seinem Vermögen, wie bei einer Sparrate.

Soll ich warten, bis die Zinsen wieder fallen?

Niemand weiß, ob und wann die Zinsen fallen. Wichtiger ist, dass der Kaufpreis zum Objekt passt, also zu Miete, Zins und Zustand der Wohnung. Und jeder Monat Warten ist ein Monat ohne Tilgung in dein eigenes Vermögen.

Was ist ein fairer Kaufpreis?

Ein fairer Preis passt zu dem, was die Wohnung bringt und kostet. Im Beispiel kostet die Wohnung 176.000 € bei 600 € Miete, das ist der Durchschnitt 2025. Zahlt Max für dieselbe Wohnung 245.000 €, setzt er in 10 Jahren rund 81.200 € statt 48.200 € ein, und seine Rendite sinkt auf etwa 5 % pro Jahr.

Quellen und Annahmen
  • Bauzinsen mit 10 Jahren Zinsbindung: 2021 rund 1 % (Capitalo auf Basis von Bundesbank-Daten), heute über 4 % (Schwäbisch Hall, Stand 27.09.2026).
  • Rate: Annuitätendarlehen über 100.000 € mit 2 % anfänglicher Tilgung. Bei 1 % Zins 250 € (83 € Zins, 167 € Tilgung), bei 4 % Zins 500 € (333 € Zins, 167 € Tilgung). Gerundet.
  • Kaufpreise: Statistisches Bundesamt, Häuserpreisindex. 2023 stärkster Rückgang seit 2000, 2. Quartal 2026 plus 0,6 % zum Vorjahr.
  • Mieten: Stiftung Warentest auf Basis von vdpResearch, August 2026. Neuvertragsmieten von Anfang 2025 bis Anfang 2026 plus 3 %.
  • Preis für dieselbe Miete: Postbank Wohnatlas 2021 und 2026 (HWWI), Bestandswohnungen, Durchschnitt aller Kreise. Kaufpreis 2020 das 25,7-Fache, 2025 das 24,4-Fache der Jahresmiete, umgerechnet auf 600 € Kaltmiete und gerundet.
  • Beispielwohnung: 60 m², 600 € Kaltmiete, Kaufpreis 176.000 €, voll finanziert zu 4 % mit 2 % Tilgung (Rate 878 €). Kaufnebenkosten 10 % (rund 17.600 €) aus Eigenkapital.
  • Laufende Kosten: rund 102 € im Monat (nicht umlagefähiges Hausgeld 30 €, Rücklage 30 €, Mietverwaltung 30 €, Mietausfall 12 €).
  • Steuer: Abschreibung 2 % auf 80 % Gebäudeanteil, Grenzsteuersatz 42 %. Daraus rund 125 € Steuererstattung im Monat im ersten Jahr.
  • 10 Jahre: Miete, Wohnungswert und Kosten steigen um 2 % pro Jahr (Inflationsziel der EZB). 10 Jahre Zinsbindung, ohne Verkauf. Vermögen = Wohnungswert minus Restschuld. Rendite = interner Zinsfuß auf das eingesetzte eigene Geld (Kaufnebenkosten und monatliche Zuzahlungen). Wertentwicklung und Mieten sind nicht garantiert. Alle Werte gerundet.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.