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KapitalanlageOktober 20269 Min. Lesezeit

Immobilie als Kapitalanlage: 6 Bedenken und was wirklich dran ist

Du verdienst gut und weißt eigentlich, dass eine vermietete Wohnung sinnvoll wäre. Trotzdem kaufst du keine. Meistens liegt das an einem von sechs Bedenken. In diesem Artikel gehe ich jedes davon durch. Bei jedem schauen wir: Was ist wirklich dran, und wie bekommst du es in den Griff?

Lewin WarneckeKlinkr

Lieber schauen statt lesen? Hier sind alle sechs Bedenken als Video.

Immobilien wären schon sinnvoll, aber …

Diesen Satz höre ich in fast jedem Gespräch. Du verdienst gut, du legst etwas zur Seite, und eine vermietete Wohnung steht schon lange auf der Liste. Dann kommt das Aber. Was ist mit Mietnomaden? Ich kenne mich da nicht aus. Dafür habe ich keine Zeit.

Dieses Aber steht zwischen dir und deiner ersten Wohnung wie eine Schranke. Und solange sie unten ist, bleibt das Geld auf dem Konto liegen, Jahr für Jahr.

Die sechs häufigsten Bedenken schauen wir uns jetzt einzeln an. Am Ende weißt du, ob dein Aber berechtigt ist.

Der Weg zu deiner ersten Wohnung

das Aber im Kopf
Schematische Darstellung

Bedenken 1Was, wenn ich an Mietnomaden gerate?

Die Sorge kenne ich gut. Jemand zieht ein, zahlt keine Miete, und du bekommst ihn monatelang nicht wieder raus. Solche Geschichten liest man immer wieder, und sie bleiben hängen.

Schauen wir auf die Zahlen. Die höchste Schätzung kommt vom Eigentümerverband Haus & Grund: rund 15.000 Fälle im Jahr. Dem stehen in Deutschland rund 22,9 Millionen Haushalte gegenüber, die zur Miete wohnen. Selbst mit dieser hohen Zahl trifft es also etwa ein Mietverhältnis von 1.500 im Jahr.

Eine genaue Statistik gibt es nicht, und der Mieterbund hält das Problem sogar für deutlich kleiner. Klar ist: Das Risiko ist gering. Und viele Fälle hätte man vor dem Einzug erkennen können.

1.500 Mietwohnungen

höchste Schätzung
1 Kästchen = 1 MietwohnungEtwa 1 von 1.500 im Jahr
Schätzung Haus & Grund (15.000 Fälle im Jahr), Destatis 2022 (22,9 Mio. Mieterhaushalte).

So erkennst du Mietnomaden vor dem Einzug

Lass dir die Gehaltsnachweise der letzten drei Monate zeigen. Die Miete sollte gut ins Einkommen passen und nicht auf Kante genäht sein. Dazu kommt eine aktuelle Schufa-Auskunft. Sie zeigt offene Schulden und Zahlungen, die schon einmal geplatzt sind.

Frag beim Vorvermieter nach, am besten mit einer Bescheinigung, dass dort keine Mietschulden offen sind. Und lass dir den Ausweis zeigen, damit der Name im Vertrag auch stimmt.

Den Schlüssel gibt es erst, wenn die Kaution auf dem Konto ist. Das ist die einfachste Hürde überhaupt.

Das alles musst du nicht selbst machen. Eine gute Mietverwaltung prüft jeden neuen Mieter genau so.

Vier Prüfungen vor dem Einzug

macht die Mietverwaltung
01GehaltsnachweiseDie letzten drei Monate. Die Miete muss gut ins Einkommen passen.
02Schufa-AuskunftZeigt offene Schulden und geplatzte Zahlungen.
03Vorvermieter fragenEine Bescheinigung zeigt, ob bisher pünktlich gezahlt wurde.
04Kaution vor SchlüsselErst wenn die Kaution da ist, gibt es den Schlüssel.
Den Ausweis zeigen lassen gehört immer dazu.

Für den Ernstfall: eine kleine Rücklage

Ganz ausschließen lässt sich das Risiko nicht. Deshalb gehört zu jeder vermieteten Wohnung ein kleiner Puffer. Leg jeden Monat einen festen Betrag auf ein eigenes Konto. Über die Jahre wird daraus ein Polster.

Fehlt dann wirklich einmal ein paar Monate die Miete, zahlst du die Rate aus diesem Polster. Dein Gehalt und deine Ersparnisse bleiben unberührt. Wer zusätzlich auf Nummer sicher gehen will, kann eine Mietausfallversicherung abschließen. Lies dort aber genau nach, was abgedeckt ist.

Eine Rücklage für den Ernstfall

kleiner Betrag, jeden Monat
Jeden MonatEin kleiner Betrag geht auf ein eigenes Konto.
Mit den JahrenDas Polster wird von allein größer.
Im ErnstfallFehlt mal Miete, zahlst du sie aus dem Polster.
Optional zusätzlich: eine Mietausfallversicherung.
Mieter vorher prüfen und eine kleine Rücklage bilden. Damit hast du Bedenken Nummer 1 im Griff.

Bedenken 2Dafür muss man doch Experte sein

Fachwissen hilft, keine Frage. Je mehr du verstehst, desto besser kannst du ein Angebot einschätzen. Du musst aber nicht erst drei Jahre Immobilien studieren, bevor du deine erste Wohnung kaufst.

Schau dir an, was bei einem Kauf wirklich schwer ist: den richtigen Standort finden. Das Objekt und die Unterlagen prüfen, zum Beispiel die Protokolle der Eigentümerversammlung. Und durchrechnen, ob Kaufpreis und Miete zusammenpassen. Dazu kommen die Finanzierung, die Suche nach einem guten Mieter und die Verwaltung.

All das kann ein guter Partner für dich übernehmen. Wichtig ist nur, dass er dir jede Zahl erklärt und du verstehst, was du kaufst.

Was ein Partner übernehmen kann

beim Kauf und danach
  • 01Standort auswählenPartner
  • 02Objekt und Unterlagen prüfenPartner
  • 03Kaufpreis und Miete durchrechnenPartner
  • 04Finanzierung vergleichenPartner
  • 05Mieter finden und prüfenPartner
  • 06Verwaltung organisierenPartner
Wichtig: Lass dir jede Zahl erklären.

Bedenken 3Dafür habe ich keine Zeit

Stell dir zwei Fragen. Erstens: Wie oft bist du schon umgezogen? Für deinen Vermieter hieß das jedes Mal, einen neuen Mieter zu suchen. Die wenigsten ziehen jedes Jahr um. Laut einer Befragung von Haus & Grund bleibt ein Mieter im Schnitt rund acht Jahre in seiner Wohnung. In 30 Jahren sind das etwa drei Mieterwechsel.

Zweitens: Wie oft wurde in deiner Mietwohnung das Bad erneuert? Wahrscheinlich nie. Ein Bad hält 20 bis 30 Jahre. Große Arbeiten wie diese kommen selten, und du siehst sie lange vorher kommen.

30 Jahre mit einer Wohnung

schematisch
Mieterwechsel, im Schnitt alle 8 JahreNeues Bad, etwa alle 20 bis 30 Jahre
Mietdauer laut Haus & Grund Vermieterbefragung 2018.

Den Rest übernimmt die Verwaltung

Eine gute Kapitalanlage kaufst du dort, wo Mieter gern wohnen. Das ist oft nicht bei dir um die Ecke. Schon deshalb kümmert sich ein Profi vor Ort.

Die Mietverwaltung übernimmt den Mieterwechsel, Reparaturen und Notfälle und die Nebenkostenabrechnung. Wenn am Sonntag ein Rohr bricht, ruft der Mieter dort an und nicht bei dir.

Für das ganze Haus gibt es zusätzlich die WEG-Verwaltung. Einmal im Jahr lädt sie zur Eigentümerversammlung ein. Dort wird zum Beispiel entschieden, wann Dach oder Fassade gemacht werden. Bezahlt wird das aus der Instandhaltungsrücklage, in die alle Eigentümer jeden Monat einzahlen. Hingehen kannst du, musst du aber nicht. Du kannst auch eine Vollmacht erteilen.

Was die Verwaltung übernimmt

Mietverwaltung und WEG
MieterwechselAnzeige, Besichtigungen, Mieter prüfen, Vertrag.
Reparaturen und NotfälleDer Rohrbruch am Sonntag landet bei der Verwaltung.
NebenkostenDie jährliche Abrechnung für deinen Mieter.
EigentümerversammlungEinmal im Jahr. Große Sanierungen zahlt die gemeinsame Rücklage.
Zur Eigentümerversammlung kannst du auch eine Vollmacht schicken.

Bedenken 4Reicht mein Einkommen überhaupt?

Hier gibt es eine klare Grenze. Die Bank schaut sich dein Einkommen genau an, und das ist auch gut so.

Liegst du netto unter 2.500 € im Monat, ergibt eine Kapitalanlage meistens noch keinen Sinn. Dann ist die beste Investition, in deinem Job mehr zu verdienen. Ab etwa 2.500 € netto wird es machbar, mit etwas Eigenkapital. Eine gute Basis hast du ab 3.000 € netto und rund 10.000 € Eigenkapital. Je mehr du verdienst, desto entspannter wird es.

Kauft ihr zu zweit, zählen beide Einkommen. Die Bank prüft am Ende immer deinen Einzelfall.

Ab diesem Einkommen ergibt es Sinn

netto im Monat
unter2.500 €Erst das Einkommen steigern
ab2.500 €Machbar, mit etwas Eigenkapital
ab3.000 €Mit ab 10.000 € Eigenkapital eine gute Basis
Erfahrungswerte. Die Bank prüft immer den Einzelfall.

Bedenken 5Schulden machen ist doch schlecht

Die meisten von uns haben gelernt: Schulden sind schlecht. Bei Konsumschulden stimmt das auch. Das Auto auf Raten verliert an Wert, sobald du vom Hof fährst. Der Urlaub auf Kredit ist nach zwei Wochen vorbei, die Raten laufen noch Jahre. Du zahlst Zinsen für etwas, das jeden Monat weniger wert ist, und die Rate zahlst du allein.

Bei einer Wohnung sieht es anders aus. Hinter dem Kredit steht ein Sachwert, der nicht jeden Monat an Wert verliert. Über die Jahre steigt er eher mit den Preisen. Gleichzeitig wird dein Kredit jedes Jahr kleiner, und den größten Teil der Rate zahlt der Mieter.

Der Abstand zwischen dem Wert der Wohnung und deiner Restschuld gehört dir. Das ist dein Vermögen, und es wächst jedes Jahr.

Warum vermögende Menschen genau deshalb gern mit Kredit kaufen, erkläre ich im Artikel „Warum Reiche Schulden lieben“.

Schulden mit einem Sachwert dahinter

schematisch
Vereinfachte Darstellung über 30 Jahre.

Bedenken 6Jetzt ist der falsche Zeitpunkt

Die Preise sind zu hoch, die Zinsen auch, ich warte lieber noch. Das höre ich ständig. Kaufpreise sind aber immer relativ. Entscheidend ist eine Frage: Passt die Miete zum Kaufpreis?

Steht die Miete in einem vernünftigen Verhältnis zum Preis, trägt sich die Wohnung. Ob wir gerade in einer Hochphase sind oder in einer Delle, ist dann fast egal. Dazu kommt: Preise und Zinsen hängen zusammen. Hohe Zinsen drücken meist die Preise, niedrige Zinsen treiben sie nach oben.

Den perfekten Zeitpunkt sieht man erst im Rückblick. Wer darauf wartet, wartet oft jahrelang. In dieser Zeit zahlt der Mieter die Rate eben für jemand anderen.

Miete und Kaufpreis müssen zusammenpassen

in jeder Marktphase
Passt die Miete zum Preis, ist die Marktphase fast egal.
Hohe Zinsen drücken meist die Preise, niedrige treiben sie.

So hast du die Risiken im Griff

Am Ende laufen alle sechs Bedenken auf ein paar einfache Regeln hinaus. Wenn du dich daran hältst, hast du die wichtigsten Risiken im Griff.

Und denk langfristig. Setz nicht alles auf eine einzige Wohnung. Wer über die Jahre mehrere kauft, für den fällt ein einzelner Ausfall kaum noch ins Gewicht.

Sechs Regeln für weniger Risiko

Zusammenfassung
  • Ein solides Einkommen
  • Ein finanzieller Puffer für den Notfall
  • Eine Wohnung, die Mieter suchen
  • Den Standort vorher prüfen
  • Den Mieter vorher prüfen
  • Langfristig auf mehrere Wohnungen verteilen
Gilt für jede Kapitalanlage-Wohnung.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Risiko, an Mietnomaden zu geraten?

Gering. Eine genaue Statistik gibt es nicht. Die höchste Schätzung von Haus & Grund liegt bei rund 15.000 Fällen im Jahr. Bei rund 22,9 Millionen Mieterhaushalten in Deutschland ist das etwa ein Mietverhältnis von 1.500. Mit einer guten Mieterprüfung sinkt das Risiko noch weiter.

Was kann ich gegen Mietnomaden tun?

Prüf jeden Mieter vor dem Einzug: Gehaltsnachweise der letzten drei Monate, eine aktuelle Schufa-Auskunft, eine Bescheinigung vom Vorvermieter und den Ausweis. Den Schlüssel gibt es erst, wenn die Kaution da ist. Für den Ernstfall hilft eine kleine monatliche Rücklage, auf Wunsch zusätzlich eine Mietausfallversicherung.

Wie viel Zeit kostet eine vermietete Eigentumswohnung?

Wenig, wenn eine Verwaltung dabei ist. Die Mietverwaltung kümmert sich um Mieterwechsel, Reparaturen und die Nebenkostenabrechnung. Für dich bleibt vor allem die Eigentümerversammlung einmal im Jahr, und selbst dort kannst du eine Vollmacht erteilen. Ein Mieter bleibt im Schnitt rund acht Jahre, Mieterwechsel sind also selten.

Wie viel muss ich verdienen, um eine Wohnung als Kapitalanlage zu kaufen?

Als Erfahrungswert wird es ab etwa 2.500 € netto im Monat machbar, mit etwas Eigenkapital. Eine gute Basis hast du ab 3.000 € netto und rund 10.000 € Eigenkapital. Kauft ihr zu zweit, zählen beide Einkommen. Die Bank entscheidet immer im Einzelfall.

Sind Schulden für eine Kapitalanlage-Immobilie schlecht?

Nicht so wie Konsumschulden. Beim Auto auf Raten sinkt der Wert, und du zahlst die Rate allein. Hinter dem Kredit für eine Wohnung steht ein Sachwert, der über die Jahre eher steigt. Den größten Teil der Rate zahlt der Mieter, und mit jeder Rate gehört dir mehr von der Wohnung.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, eine Wohnung als Kapitalanlage zu kaufen?

Den perfekten Zeitpunkt erkennt man erst im Rückblick. Wichtiger ist, ob Miete und Kaufpreis zusammenpassen. Wenn ja, trägt sich die Wohnung in fast jeder Marktphase. Hohe Zinsen drücken meist die Preise, niedrige Zinsen treiben sie nach oben.

Quellen und Annahmen
  • Mietnomaden: Schätzung des Eigentümerverbands Haus & Grund, rund 15.000 Fälle pro Jahr. Eine repräsentative Statistik gibt es nicht.
  • Mieterhaushalte: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2022. 58 % der rund 39,3 Millionen Haushalte wohnen zur Miete, also rund 22,9 Millionen.
  • Mietdauer: Haus & Grund Vermieterbefragung 2018, durchschnittlich acht Jahre.
  • Lebensdauer eines Badezimmers: übliche Angabe von 20 bis 30 Jahren, je nach Zustand.
  • Einkommensgrenzen: Erfahrungswerte aus der Praxis, keine feste Vorgabe der Banken.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.